Im Mühlenend · seit 1912
Ein Kapellchen aus gelebter Nachbarschaft.
Die Marienkapelle an der Straße „Im Mühlenend“ wurde 1912 als Station für die Fronleichnamsprozession errichtet. Das Grundstück stellte die Familie Herbst zur Verfügung. Am Bau beteiligten sich auch die übrigen Familien der Straße.
Der Anlass war ebenso schlicht wie menschlich: Einer gehbehinderten Nachbarin sollte ermöglicht werden, an den Fronleichnamsfeierlichkeiten teilzunehmen. So entstand aus gemeinschaftlichem Engagement ein Ort, der bis heute eng mit dem religiösen Leben Delhovens verbunden ist.

Fronleichnam im Mühlenend
Für die ganze Pfarrgemeinde gebaut.
Auch die Ausstattung der Kapelle war Gemeinschaftsarbeit. Das Jubiläumsbuch überliefert, dass die Jünglinge den Teppich, die Jungfrauen die Altartücher und die Kinder die Kerzenleuchter spendeten.
Die Backsteinkapelle ist oktogonal angelegt und mit einem Zeltdach versehen. Gerade diese offene Form machte sie zu einem Fronleichnamssegensaltar, an dem die versammelte Pfarrgemeinde dem Gottesdienst folgen konnte.
Gestalt & Erinnerung
Ein vertrauter Ort im Dorf.
Die kleine Kapelle wurde über Generationen erhalten und immer wieder gepflegt. 1984 erfolgte eine weitere Neugestaltung. Seit dem 18. September 2002 steht sie als eingetragenes Denkmal unter Schutz.
Ihre Bedeutung liegt dabei nicht allein in ihrer Architektur. Die Marienkapelle steht für ein Stück Delhovener Ortsgeschichte und für die Volksfrömmigkeit, die ihren Bau und ihre Nutzung über viele Jahrzehnte geprägt hat.


Erhalten für kommende Generationen
Die Renovierung ab 2012.
Im Jahr 2012 nahm sich Matthias Hinsen, ein Enkel der Familie Herbst, erneut des Kapellchens an. Innerhalb von zwei Jahren ließ er den Dachstuhl nahezu vollständig erneuern und finanzierte einen großen Teil der Arbeiten selbst.
Hinzu kamen Schieferarbeiten am Dach. Auch das durch eindringendes Regenwasser beschädigte Holzkreuz wurde restauriert – dafür wurde es eigens nach Ulm gebracht. Nach Abschluss der Arbeiten konnte die Kapelle wieder in jener Gestalt erstrahlen, die an ihr ursprüngliches Erscheinungsbild von 1912 anknüpft.
Mehr als ein Baudenkmal
Ein Stück Delhovener Gemeinschaft.
Die Geschichte der Marienkapelle beginnt mit dem Wunsch, niemanden aus der Gemeinschaft auszuschließen. Dass sie mehr als ein Jahrhundert später noch immer gepflegt, genutzt und erhalten wird, macht sie zu einem besonderen Zeugnis Delhovener Zusammenhalts.