Erinnerung im Ortsbild
Wenn ein Straßenname zur Dorfgeschichte wird.
In Delhoven sind Straßen nach Persönlichkeiten benannt, die sich um das Gemeinwohl des Ortes verdient gemacht haben. Das Jubiläumsbuch stellt sechs dieser Menschen vor und erzählt, wie ihr Wirken mit Schule, Kirche, Kommunalpolitik, Sport und dem Bürger-Schützen-Verein verbunden ist.
Auf dieser Seite greifen wir diese sechs Lebensgeschichten auf. Die historischen Porträts und Familienaufnahmen machen aus den Namen auf den Straßenschildern wieder Menschen.

Kayserstraße
Winand Kayser
Winand Kayser wurde am 12. Juni 1765 in Köln geboren. 1784 trat er in den Prämonstratenserorden der Abtei Knechtsteden ein. Nach der Aufhebung des Klosters durch Napoleon pachtete er Knechtsteden zunächst und erwarb es 1810 gemeinsam mit den Gebrüdern Herbertz aus Uerdingen.
Für Delhoven wurde Kayser vor allem durch sein Engagement für die Schule bedeutend. 1824 machte Ortsvorsteher Sebastian Pick ihn auf die Notwendigkeit eines neuen Schulgebäudes aufmerksam. Der in Knechtsteden tätige Maler Willems aus Löwen entwarf den Plan; am 11. Dezember 1825 wurde das neue Schulhaus eingeweiht. Kayser blieb der Schule bis zu seinem Tod eng verbunden. Er starb am 1. Juli 1842 in Köln und gilt im Jubiläumsbuch als letzter Prämonstratenser Knechtstedens und großer Wohltäter Delhovens.

Jansenstraße
Johann Jansen
Johann Jansen wurde am 28. Februar 1805 in Wiesdorf geboren. Ende September 1828 trat er die Stelle des Dorflehrers in Delhoven an und leitete die Schule bis 1874. Von Delhoven aus absolvierte er zusätzlich einen Kurs am Lehrerseminar in Brühl.
Jansen wirkte weit über den Unterricht hinaus im Dorf: 1835 wurde er in den Kirchenvorstand von Hackenbroich gewählt, führte als Rendant die Kirchenkasse und gehörte ab 1843 dem Armenrat an. Unter seiner Mitarbeit erhielt Delhoven eine Kapelle. 1873 feierte er sein 50-jähriges Lehrerjubiläum. Johann Jansen starb am 31. Dezember 1882; sein Grabstein und der seiner Frau stehen heute neben der Aufbahrungshalle auf dem Delhovener Friedhof.

Josef-Steins-Straße
Josef Steins
Peter Joseph Hubert Steins wurde am 5. November 1835 in Elvekum geboren. Seit 1878 gehörte er dem Gemeinderat von Hackenbroich an. Von 1883 bis 1914 kümmerte er sich als Ortsvorsteher um die Belange Delhovens.
Im Januar 1908 feierte Josef Steins sein 25-jähriges Amtsjubiläum als Ortsvorsteher. Im Beisein zahlreicher Ehrengäste überreichte Bürgermeister Wagner aus Dormagen ihm eine Standuhr als Geschenk der Gemeinde. Josef Steins starb am 2. Juli 1920 in Delhoven.

Franz-Faßbender-Straße
Franz Faßbender
Franz Faßbender wurde am 30. Juli 1906 in Nievenheim geboren. Als Kaufmann führte er den Saatguthandel Faßbender an der Hauptstraße 56. Auch im Bürger-Schützen-Verein übernahm er Verantwortung: von 1949 bis 1951 als 1. Schatzmeister und von 1955 bis 1965 als 1. Vorsitzender.
Von 1961 bis 1969 war Faßbender der letzte Bürgermeister der ehemaligen Gemeinde Hackenbroich mit Delhoven, Hackenbroich und Hackhausen. Während seiner Amtszeit wurden wichtige Weichen für die Baugebiete Hackenbroich-Süd und „Zweite Gewanne“ in Delhoven gestellt. Er starb am 21. Januar 1973 im Alter von 66 Jahren und wurde auf dem Delhovener Friedhof beigesetzt.

Walter-Reuber-Weg
Walter Reuber
Walter Reuber wurde am 20. Oktober 1929 in Delhoven geboren und arbeitete als Beamter bei der Bundesbahn. Als Torhüter des FC Delhoven machte er sportlich auf sich aufmerksam – sogar der 1. FC Köln bemühte sich um einen Wechsel. Reuber blieb jedoch seinem Heimatverein treu.
Nach seiner aktiven Laufbahn leitete er die Jugendabteilung des FC Delhoven und feierte dort zahlreiche Erfolge. 1973 erhielt er die goldene WFV-Verdienstnadel sowie die goldene Vereinsnadel. Auch dem BSV war er verbunden: 1953 gründete er mit Freunden den 3. Grenadierzug „Fidele Sandhasen“. Walter Reuber starb am 5. Februar 2005 und wurde auf dem Delhovener Friedhof beigesetzt.

Alfred-Dahmen-Allee
Alfred Dahmen
Alfred Dahmen wurde am 6. September 1937 in Köln geboren und arbeitete als technischer Angestellter bei der Bayer AG. 1959 gründete er mit Freunden den 6. Jägerzug „Edelweiß“. Von 1965 bis 1976 war er 1. Kassierer des BSV; 1976 wurde er zum 1. Vorsitzenden gewählt und führte den Verein bis 2009. Gemeinsam mit seiner Frau Margarete war er 1980/81 Schützenkönig.
Zu den besonderen Schwerpunkten seiner Arbeit gehörten der Erhalt und Ausbau des Schützenplatzes an seinem historischen Standort sowie der Bau des Schützenhauses. Parallel engagierte er sich von 1979 bis 2009 im Rat der Stadt Dormagen und im Planungs- und Bauausschuss. Für seine Verdienste erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2005 das Bundesverdienstkreuz. 2009 wählte ihn die Generalversammlung zum Ehrenvorsitzenden des BSV. Alfred Dahmen starb am 7. Mai 2024 im Alter von 86 Jahren.
Sechs Namen. Sechs Geschichten.
Erinnerung, die im Dorf weiterlebt.
Die sechs Straßennamen stehen für ganz unterschiedliche Formen des Engagements: für Schule und Bildung, kirchliches und soziales Leben, Kommunalpolitik, Sport und das Delhovener Schützenwesen. Gemeinsam zeigen sie, wie stark die Geschichte eines Dorfes von einzelnen Menschen mitgestaltet wird.
Wer heute durch Kayserstraße, Jansenstraße, Josef-Steins-Straße, Franz-Faßbender-Straße, Walter-Reuber-Weg oder Alfred-Dahmen-Allee geht, begegnet deshalb auch einem Stück Delhovener Erinnerungskultur.